Vom ersten Tag an in Thailand haben wir das Gefuehl als haette Kambodscha uns in eine westliche Welt hineingespuckt. Nach den doch sehr andersartigen Laendern zuvor kommt uns Thailand auf den ersten Blick gar nicht so anders vor. Die Strassen sind komplett (auch 99% der Nebenstrassen!) geteert und so gut ausgebaut, dass es sogar asphaltierte Seitenstreifen fuer Radfahrer gibt. Die Autos sind meist ziemlich neu (hauptsaechlich Pick-ups), an jeder Ecke gibt es einen auf 15 Grad runtergekuehlten 7-Eleven und die ATM-Dichte ist einfach ueberwaeltigend. Hier werden wir auch zum ersten Mal als vollwertige Verkehrsteilnehmer respektiert. Waehrend in Kambodscha das staendige Hupen noch bedeutet hat "entweder du springst JETZT in den Strassengraben oder ich helf dir dabei!", gibt es hier kaum Gehupe und wenn, dann fliegt gleich im Anschluss eine winkende Hand aus dem Beifahrerfenster waehrend der Fahrer im grossen Bogen um uns herum faehrt. Selbst die Vorfahrt wird uns gewaehrt, das Wort hatten wir eigentlich schon aus unserem Wortschatz gestrichen!

In Bangkok verbringen wir viel Zeit mit Ersatzteilebeschaffung, wobei wir uns fast schon nach Shanghai zurueckversetzt fuehlen. Wir haben das Gefuehl die meiste Zeit des Tages mit dem Weg von A nach B zu verbringen. Wir hatten uns eigentlich viel vorgenommen fuer Bangkok, haben aber schliesslich nur den Palast und 1 Wat angeschaut, sind ein bisschen Wassertaxi gefahren und das wars auch schon mit "Touristenprogramm".

Da uns das Radfahren in Bangkok selbst nicht wirklich lohnenswert vorkam und diese Stadt keine Ende zu haben scheint nehmen wir wieder den Zug und fahren bis Hua Hin. Hier legen wir unseren ersten echten Urlaubstag ein: ausschlafen, fruehstuecken, am Strand liegen, Massage, abendessen, fernsehen, schlafen. Wir sind dennoch froh hier nicht wirklich Urlaub zu machen, denn am Strand liegen ueberall tote Fische in diversen Groessen und auch im Wasser "schwimmt" immer mal wieder ein toter Fisch an uns vorbei. Immerhin sorgen wir fuer Unterhaltungsprogramm. Jedes Mal wenn einer von uns ins Wasser an den Liegestuehlen der Urlauber vorbeilaeuft wird getuschelt und gelacht. Nach so langer Zeit des Radfahrens in der Sonne wirken wir in Bikini und Badehose schon ein wenig skuril, fast als haetten wir unten drunter noch einen schneeweissen Neoprenanzug an. Da hilft nur eins: Bauch rein, Brust raus und rein ins Wasser!

Von Hua Hin aus fahren wir meist auf Nebenstrassen an der Kueste entlang gen Sueden. Wir kommen durch viele Fischerdoerfer, Garnelenfarmen, Kautschuk-, Ananas- und Kokosplantagen und koennen meistens direkt am Strand entlang fahren. Die Hotels und Gasthaeuser hier scheinen fast ausschliesslich fuer thailaendische Urlauber zu sein, denn selten steht irgendetwas auf englisch angeschrieben und auch die Besitzer sprechen haeufig kaum englisch. Umso besser fuer uns, denn es ist keine Urlaubszeit und so haben wir freie Auswahl, billige Unterkuenfte (meist Bungalows die direkt am Strand stehen) und den ganzen Strand fuer uns alleine. Wir kommen auch durch einen Nationalpark, der einen Campingplatz mit Duschen und Toiletten hat. Fuer 1,20 EUR koennen wir hier direkt am Strand unser Zelt aufschlagen und freuen uns wie kleine Kinder. Es ist das erste Mal zelten seit wir China verlassen haben und wir merken hier erst wie sehr wir es vermisst haben. Das eigentlich mal perfekt eingespielte Zeltaufbauteam versagt allerdings diesmal auf ganzer Linie und als das Zelt endlich steht merken wir nachts schnell wie angenehm doch der Fan oder die Klima in den Hotels war und das der Weg zu den Toiletten doch sehr weit ist. Aber das schoene Meeresrauschen im Hintergrund und die Einsamkeit (ausser uns zeltet hier niemand!) machen alles wieder gut.

Wir queren von der Ostkueste in einer harten,bergigen Tagesetappe auf die Westkueste und verfolgen weiterhin unsere Strategie: wo ein Strand, auch ein Hotel! Das hat bisher sehr gut geklappt und nach den vielen Bergen kommen wir erschoepft am Strand an. Zu der Erschoepfung gesellt sich hier auch noch ein Sturm, der uns vom Meer entgegenfegt und kaum vorwaerts kommen laesst. Nur Hotels, die gibt es hier nicht. Dafuer aber ein Schild "You are entering the Tsunami hazard zone" und ein Tsunami-Research Center der Universitaet. Dort angekommen werden wir von 15 kichernden Studentinnen empfangen, die uns zwar auch keine Unterkunft geben koennen, aber sehr interessiert sind. Waehrend ich die Raeder halte wird Stepan umzingelt und "ausgefragt". Jede Antwort von ihm wird im Kollektiv mit einem lauten "Ahhhh", "Ohhhhh" oder "Huuuiii" aufgenommen, gefolgt von einem kollektiven Gackeranfall. Das bringt uns zwar auch keinem Hotel naeher, aber schliesslich duerfen wir in den Unterkuenften fuer "Forscher" uebernachten, Stepan's Charme sei Dank!



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