Durch Lachs und Schnitzel im Magen sind unsere Körper gerade genug beschwert um nicht vom darauf folgenden Dansey's Pass geblasen zu werden. Der Wind spielt total verrückt, mal von rechts, mal von links, dann von vorne und zuletzt dann aber doch von hinten. Das geht natürlich nur so lange gut, wie wir in die immer gleiche Richtung fahren. Die geplante Route wird deshalb kurzerhand über den Haufen geschmissen, wir fahren einfach lieber mit Rückenwind. Schneller als gedacht kommen wir dadurch auf den Central Otago Rail Trail, eine stillgelegte Eisenbahnstrecke aus deren Schienenbett ein Schotter-Radweg gemacht wurde. Es geht durch schmale Eisenbahntunnels, über alte Brücken, an steilen Berghängen entlang und das mit nur seichten Steigungen, dem Wind im Rücken und ohne Autos. Das Ganze kostet uns so wenig Anstrengung, dass wir (naja, zumindest einer von uns) bei Ankunft in Dunedin am nächsten Tag eine echte Herausforderung brauchen. Wie schön, dass es hier laut Guinness Buch der Rekorde die steilste Straße der Welt gibt. Dunedin wurde damals von den Schotten erbaut, die dort alle Straßen kerzengerade angelegt haben. Ob Berg oder nicht, die Straße bleibt gerade und so ist die Stadt uebersaet von Moerderanstiegen. Mir persönlich reicht der Weg mit dem bepackten Reiserad zu dem Hostel, dass wir uns zu Weihnachten gönnen aber Stepan will's dann doch noch wissen. Ich sag nur eins: der Typ ist ein Viech!!
Ich hingegen habe andere Sorgen: Was schenken wir uns zu Weihnachten?
-Romantisch wie wir nun mal sind, gehen wir am 24.12. in den nächsten Outdoorladen. Jeder bekommt eine neue kurze Hose (jetzt hat jeder 2!!) und ein neues T-Shirt bzw. Unterhemd, zur Krönung gibts für mich noch eine neue Isomatte, die Kosten werden durch 2 geteilt und das besinnliche Weihnachtsfest bei 30 Grad und Sonnenschein kann beginnen!
Am ersten Weihnachtsfeiertag beschließen wir, dass wir genug besinnlich waren und schwingen uns Weihnachtslieder trällernd in die Sättel. Erstmal zu einem kleinen Abstecher auf die Otago Peninsula zum “Birdwatching”. Albatrosse, Gelbaugenpinguine, blaue Pinguine und jede Menge Seeloewen belohnen den Abstecher der uns einige steile Höhenmeter abverlangt. Auch die Strecke danach, in die Catlins steht ganz unter dem Motto “Wildlife”. Leider haben wir auf dem Weg dorthin unser erstes “echtes” Problem an meinem Rad: die Leitung der hydraulischen Bremse hat ein Loch und Öl läuft aus. Super, dass es in Strömen regnet und wir uns auf einer Nebenstraße befinden, auf der uns schon seit Stunden keine Menschenseele begegnet. Aber das Fahren ohne Bremse haben wir nach dem Irkeshtam-Pass in Kirgistan ja schon üben können und während unserer Zeit in Shanghai wurde uns auch viele Male eindrucksvoll bewiesen, dass man eigentlich gar keine Bremse braucht, so lange man noch Sohlen an den Schuhen hat. Wie ein echter Chinese komm ich sicher in Balclutha an und 2 Tage, viele Telefonate mit Radgeschäften des ganzen Landes und einige Ratschläge von bekifften Campingplatzbesitzerin später kann ich von der chinesischen Bremsmethode wieder auf die deutsche wechseln.

Nach den Catlins verlässt uns leider unser Rueckenwindglueck der letzten Tage und wir kämpfen uns in 4 Stunden die letzten 25km nach Invercargill. An diesem Tag kommen uns besonders viele Radfahrer entgegen “geflogen” und je mehr sie grinsen und fliegen umso mehr sind wir gefrustet. Deshalb beschließen wir ein Stück den Bus zu nehmen und direkt nach TeAnau zu fahren.
In Te Anau trifft uns mal wieder der Touristen-Schlag. Ich glaube es ist der touristischste Ort ganz Neuseelands, die Campingplätze und Hostels sind ausgebucht und die Straßen wimmeln nur so von Menschen. Der Verkehr um TeAnau ist auch wieder dichter und die Fahrer mal wieder extrem rücksichtslos. Wir fliehen nach nur einer Nacht und freuen uns umso mehr auf die Schotterstraße zu den Mavora-Lakes abzubiegen. Wir lassen uns extra Zeit um die fast autofreie Strecke zu genießen, in den Seen zu baden und bei schöner Kulisse zu dinieren. Für Autos ist die Strecke eine Sackgasse und je näher wir Queenstown kommen desto weniger Autos sehen wir. Wir verbringen 2 schoene Tage und spielen mit dem Gedanken den Radteil unserer Reise in Queenstown vorzeitig zu beenden. Neuseeland hat sich nicht als das Radfahrerparadies entpuppt, das wir uns erhofft hatten und wir würden gerne mit einem schönen Erlebnis abschließen anstatt dem ständigen „er ueberfaehrt mich – er ueberfaehrt mich nicht - er ueberfaehrt mich – er ueberfaehrt mich nicht...” beim Blick in den Rueckspiegel.

Am Ende der Straße treffen wir auf den Lake Wakatipu, an deren anderem Ufer Queenstown liegt. Hier können wir mit einem alten Dampfschiff auf die andere Seite übersetzen und hier treffen wir durch Zufall auch Marina wieder. Bei Ankunft in Queenstown haben wir deshalb durch Marina's “Ablenkung” immer noch nicht entschieden ob wir mit oder ohne Rad weiterfahren. Die Entscheidung nagt noch an uns.


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