Nachdem wir den Schicksalsberg besiegt und den darauffolgenden Muskelkater überwunden haben, fahren wir wieder schmerzfrei gen Süden. Zum Abschluss der Nordinsel gönnen wir uns noch das erste Bett seit 4 Wochen. Vor allem für mich ist das die reinste Erholung, da meine Isomatte (ersatzweise in China gekauft, nachdem der Vorgänger dort an Altersschwaeche starb) die gewohnte chinesische Qualität aufweist: einmal schlafen 1 Loch, zweimal schlafen 4 Löcher... und so verringert sich der Schlafkomfort exponentiell, bis die Ursprungsoberfläche der Matte zu 60% aus Isomatten-Loch-Kleber besteht.

Wir bleiben nur kurz in Wellington und setzten von dort direkt auf die Südinsel über. Dabei treffen wir auf Marina. Marina ist 22 Jahre jung, kommt gerade aus Nepal von der Besteigung eines 7000ers, deren Gipfel sie als einzige Frau, als 2. der Expedition erreicht hat und zeigt uns erst mal was trainiert bedeutet. Eigentlich dachten wir ja, dass wir nach 8 Monaten im Sattel doch recht fit sind, aber beim „Windschattenfahren“ am Folgetag erhöht sich die Geschwindigkeit um 2-5 km/h sobald Marina nach vorne geht.

Gemeinsam verbringen wir 4 Tage in denen wir über die Rainbowroad, eine eigentlich noch geschlossene Privatstraße nach Waikari fahren. Während dieser Zeit bringt uns Marina so einiges an Glück mit. Zuerst werden wir auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen für die Mittagspause zu einer Weinprobe eingeladen, dann hat die Bar hinter der wir unsere Zelte aufschlagen Happy Hour und zuletzt werden wir direkt bei Rückkehr die Zivilisation von Richard „abgefangen“, der uns sofort einlädt bei sich im Garten zu schlafen. Die Privatstraße besteht zwar aus 130km Schotterpiste inkl. 40km Waschbrettpiste, aber die Abwesenheit von sämtlichem Verkehr und die Einsamkeit die nur von wenigen Kühen hin und wieder unterbrochen wird, erinnert uns an die alten Tage in Kirgistan oder Westchina. Leider werden wir aber sehr schnell daran erinnert wo wir uns befinden, denn der einsame, wildromantische Zeltplatz mit fließend Wasser aus einem Bach entpuppt sich schnell zur Sandfly-Hoelle. An ein Genießen ist nicht zu denken und wir verkriechen uns schnell in unsere Zelte mit 10cm Mückenschutzchemie auf der Haut, die immer wieder in unser Essen gerät. Sehr lecker!

Nach Ankunft in Waikari trennen sich unsere Wege wieder, denn Marina muss bei all dem was sie noch vorhat ein bisschen mehr Gas geben. Da nutzt auch der Windschatten den meine breiten Schultern bieten nichts, wir schlafen, essen, packen und fahren einfach langsamer als sie.

Es dauert nicht lange und wir treffen auf den nächsten Radtouristen. Diesmal in Geraldine. Ein Franzose, mindestens 80 Jahre alt, auf einem Klapprad mit dem er schon über 100.000 km gefahren ist. Er hat zwar nicht viel dabei, aber trotz seines hohen Alters ist alles dabei was es an neuen Gadgets auf dem Markt gibt, von GPS zu Teflonaufsaetzen des Campingkochers bis hin zu Umbauten zur Verbesserung der Standhaftigkeit des Zeltes ist alles dabei. Stepan ist nur noch am Staunen. Ich hingegen staune vor allem, als er sich nach der Flasche Wein noch eine Flasche Moet öffnet. Auf die Frage ob er was zu feiern hätte zuckt er nur mit den Schulten „Eh non, isch mache das immer so!“ Während der Franzose also seinen Champagner schluerft, flicke ich die Löcher 48 bis 76 meiner Isomatte, wobei mich der Klebstoff mindestens genauso benebelt wie ihn der Moet!

Vorbei an Lake Tekapo und Lake Pukaki mit wunderschöner Aussicht auf den Mt Cook (der höchste Berg Neuseelands) kommen wir immer wieder an Lachsfarmen vorbei. Wir denken uns, was die Schnitzelcamper können, können wir schon lange und so halten wir an einer der Farmen an und kaufen das kleinste Stück was sie da hatten: 1kg Lachsfilet! Das ganze verpackt mit Eis hält auch auf einer Packtasche einen ganzen Tag lang. Es gibt Lachs zum Mittagessen, Lachs zum Abendessenund 3 mal dürft ihr raten was es am nächsten Tag gab?! - genau: Schnitzel!


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