In Auckland angekommen erholen wir uns bei Jana und Andre von den Flugstrapazen. Einen ausgedehnten Badewannenbesuch, 2 kg Grillfleisch und einen Vollrausch spaeter verlassen wir das wohlige Nest und kaempfen uns durch die aucklaendische Rushhour. An den Linksverkehr haben wir uns mittlerweile ja schon gewoehnt, nicht aber an die neuseelaendische Tradition des Nicht-Abstand-haltens zu Fahrradfahrern. Egal an welchem Campingplatz werden wir auch meist gleich von Rentner Campern angesprochen, die uns in allen Einzelheiten die Radfahrerunfaelle der letzten Monate schildern. Trotzdem geniesen wir es sehr hier zu sein. Das Wetter ist perfekt, nicht zu heiß und nicht zu kalt, zelten ohne schwitzen ist moeglich und es gibt auch endlich wieder ein paar Berge fuer uns. Allerdings koennten letztere ein bisschen weniger steil sein, denn unser Zahnarzt hat uns das beissen in den Lenker eigentlich strengstens untersagt.

Wir drehen erstmal eine Runde ueber die Coromandel-Halbinsel, meist auf geteerten Strassen, viel auf Schotter und teilweise sogar auf Wanderwegen. Dazu wurde uns von mehreren Neuseelaendern versichert, das der Wanderweg ueberhaupt gaaar kein Problem sei auf dem Fahrrad. Ein wenig wundern wir uns zwar schon , dass ein grosses Schild davon abraet die Strecke mit Packtaschen zu fahren, aber nachdem der nette Herr vom letzten DOC-Campingplatz meinte, wir sollten uns nicht so anstellen und einfach fahren, packt uns dann doch der Stolz. Der Weg ist schlecht beschildert und wir verfahren uns auch gleich. Zu allen Seiten geht es nur entweder sehr steil nach oben oder unten. Ein neuseelaendisches Rentnerpaar kommt uns gleich zu Hilfe und trennt sich, um nach allen Seiten hin den Weg zu suchen. Als sie ihn endlich finden und uns sagen koennen welche Richtung wir nehmen muessen, sind die beiden schon so kaputt, dass sie ihre eigene Wanderung abbrechen und umkehren. Die beiden fanden das zwar weniger schlimm als wir, dennoch machen wir uns mit einem schlechten Gewissen an den Aufstieg, den wir mehr schiebend als fahrend verbringen. Teilweise ist der Weg so steil, dass Stepan bei meinem Rad von hinten schieben muss. Zwei Stunden spaeter haben wir den Aufstieg und mit ihm mehrere psychische Krisen ueberwunden und auch mein Rad hat keine Schaeden genommen, beim verzweifelten, wuetenden Schmiss auf den Boden. Einmal oben angekommen ist das alles schnell vergessen. Eine Abfahrt auf Singletrail mit dem bepackten Reiserad ist fuer uns eine neue, sehr spassige Erfahrung. Am Ende des Wanderwegs empfangen uns die wenigen Camper dort mit „Where the f* do you come from?“ und stroemen uns von allen Seiten mit be- bis entgeisterten Gesichtern entgegen.

Wir geniesen es sehr endlich wieder zelten zu koennen. Allerdings gab es bisher noch keine Moeglichkeiten zum wild campen, also muessen wir immer auf teils ziemlich teure Campinplaetze gehen, die meist weit mehr zu bieten haben als wir brauchen. Dort treffen wir auf viele, viele Touristen die mit geliehenen Campervans oder Wohnmobilen durch Neuseeland reisen. Im Gegensatz zu unserer puritanischen Ausruestung (2 kleine Toepfchen, ein bisschen Nudeln oder Reis, Fertiggericht, Tee und Kaffee) rollen diese wiederum mit Schnitzel, Steak, Salat und anderen Koestlichkeiten an, kochen dann in der Gemeinschaftskueche einer neben dem anderen ein kleines Festmahl und schluerfen dazu Bier oder Wein. Allein der Geruch in diesen Kuechen und das leise Ploppen einer Bierflasche laesst uns traeumen, waehrend wir zum x-ten Mal seit 7 Monaten Nudeln mit Tomatensosse und Tee zu uns nehmen. Von gebratenen Fleischlappen traeumend verdammen wir dabei diese verfluchten Schnitzelcamper, denn ohne sie haetten wir uns ueber unsere Nudeln riessig gefreut. Immerhin haben wir die Duschen abends fuer uns alleine, denn der gemeine Schnitzelcamper ist in der Regel auch ein echter Vormittagsduscher!


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Comments

GG
12/14/2010 13:01

Ihr Sparfüchse!!! Also ob Ihr Euch kein Schnitzel leisten könntet. So was kauft man und grillt einfach.....wo ist das Problem?

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b
12/15/2010 07:44

...es wird eh zu wenig gegrillt...im allgemeinen und so!

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