Die ersten Tage laufen super. Es ist nicht zu heiss und nicht zu kalt, die Landschaft ist toll, ueberall gibt es tolle Plaetze zum wildcampen mit Baechen zum waschen und trinken und die Strasse ist schoen geteert. Den ersten Pass auf 2400m bringen wir leicht hinter uns und kommen nach wenigen Tagen in Gulcha an, die letzte kleine "Stadt" vor China fuer uns.
Ab Gulcha gibt's nur noch Schotterpiste. Mal schlechter, mal besser, meistens aber schlecht. Hin und wieder gibt es mal fuer 2-3 km ein kleines Stueckchen Teer. Das ist ein Gefuehl wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Die LKWs fahren meistens ziemlich schnell an uns vorbei, so dass wir teilweise nur Staub sehen, essen und riechen. Irgendwie macht's jetzt gar nicht mehr so viel Spass!
Schoen sind aber die Begegnungen mit den Menschen. In jedem Dorf winken uns die Leute, die Kinder rufen immer "bye, bye" (warum nicht "hallo" haben wir nicht herausgefunden) oder "turist, turist!". Oft kommen sie von weiter Entfernung, so schnell die kurzen Beine sie tragen koennen, auf uns zugestuermt um uns aus der Naehe sehen zu koennen. Viele rennen dann ein paar 100 Meter mit oder wollen unbedingt das wir ein Foto von ihnen machen. Auch Erwachsene halten uns haeufig an und wollen wissen woher wir kommen. Die meisten finden es ganz toll, dass wir die Fahnen am Anhaenger haben. Dabei werden wir dann auch gefragt ob wir "Turist" sind. Wenn wir dann ja sagen sind sie total begeistert, dass sie so etwas exotisches zu Gesicht bekommen. In einem Ort hat uns ein alter Mann angehalten. "Moment mal" hat er uns auf deutsch zugerufen. Er hatte ein paar Jahre in Deutschland fuer die russische Armee gedient und hat sich gefreut wie ein kleiner Junge dass er uns getroffen hat. Wir haben selten einen alten Mann soviel kichern sehen.
Durch die vielen Begegnungen kommen wir anfangs extrem langsam vorwaerts. Dann faengt's auch noch an zu regnen und es wird von km zu km immer kaelter. Erst sinds noch 5`C, dann nur noch 4, 3, 2 -  scheisse, noch 2 Grad kaelter und es faengt an zu schneien. Ak Bosogo (2800m) ist der letzte Ort bevor es zum naechsten Pass hoch geht und da schneit's ganz bestimmt. Also unsere letzte Chance zum uebernachten. Aber eine "Gastiniza" gibt's leider nicht. Gegen Ende des Dorfes fahren wir auf einen alten Mann zu, der sehr freundlich aussieht und denken beide insgeheim "Bitte sprich uns an, bitte, bitte!". Und er hat's getan. Auf den Pass koennen wir auf keinen Fall sagt er, morgen wird das Wetter schoen, also schlaft ihr bei mir. Er (Adi) laedt uns erstmal in seine Kuecke ein, ein separates Haus in dem im Winter gewohnt wir, weil das offene Feuer vom Herd den Raum heizt. Das eigentliche Haus wird im Winter nicht genutzt, also koennen wir dort schlafen. Wir bekommen jede Menge heissen Tee, reichlich zu essen und Proviant fuer den naechsten Tag. Als einzige Gegenleistung wollte Adi ein Bild von sich mit seiner Familie, das wir ihm dann schicken sollen.
Wie versprochen ist am naechsten Tag tolles Wetter und wie kaempfen uns den Taldyk Pass (3615m) hoch. Weiter oben wird es so windig, dass wir kaum noch vorwaerts kommen. Dann weht's die Anne auch noch mit einem kraeftigen Stoss vom Rad, so dass wir (inkl. Bluterguesse) halt doch die letzten Hoehenmeter schieben muessen. Dabei wollten wir gerade das nicht. Verdammt!
Ueber dem Pass haben wir einen genialen Blick auf das Pamir Gebirge, der alle Bluterguesse und Schotterpisten vergessen laesst.
In Sary-Tash angekommen faengt es auch schon wieder an zu regnen, so dass wir erst mal einen Ruhetag einlegen muessen. Da eh alles nass ist koennen wir so wenigstens mal von Kopf bis Fuss trocknen. Da Sary-Tash auf der Karte zwar recht gross ist, eigentlich aber nur ein kleines Kaff ist machen wir nichts anderes ausser schlafen, essen und lesen und nebenbei trocknen. Auch mal schoen!

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