Nach 2 Tagen Cuenca setzen wir uns in den Bus nach Quito. Hier dürfen wir mal wieder einer typisch südamerikanischen Szene beiwohnen: Wir sitzen im Bus, gemeinsam mit nur 4 weiteren Passagieren, einem Busfahrer und einem Busbegleiter. Gerade als wir losfahren wollen hält uns die Polizei an und es wird heftig diskutiert, Papiere hin und her gereicht und zuletzt steigt ein zweiter Busfahrer zu, lächelt den Polizisten freundlich an und plötzlich dürfen wir weiterfahren. Anscheinend müssen laut Vorschrift für die Fahrt nach Quito (10 Std.) 2 Busfahrer anwesend sein. Der zweite Busfahrer hat aber weder Zeit noch Lust nach Quito zu fahren und so wird das Problemchen südamerikanisch gelöst: kurz hinterm Busbahnhof klettert er einfach auf der anderen Seite des Busses durchs Fenster wieder auf die Straße. Alle habens gesehen, nur der Polizist nicht, also alles gut. Eine Ecke weiter hätte er zwar einfach durch die Tür den Bus verlassen können, aber dann wäre er ja kein Held unter seinen Kollegen gewesen.
Bloederweise wird der Bus dann aber 2 Stunden später, mitten in der Pampa, wieder von der Polizei angehalten und jetzt findet sich kein Ersatzbusfahrer. Eine geschlagene Stunde wird diskutiert, kontrolliert, telefoniert. Letztendlich wurde der Busfahrer wahrscheinlich ein wenig ärmer, die Polizisten ein wenig reicher und wir dürfen weiterfahren.

Vom Heimweh und auch schon leichter Arbeitssehnsucht getrieben, will der Messtechniker unter uns mal wieder was messen. Deshalb fahren wir in Quito mit GPS bewaffnet zum „Mitad del Mundo“, einem Denkmal, dass angeblich genau auf den Äquator gesetzt wurde. Am Denkmal angekommen renne ich Stepan, der mit der „Wünschelrute“ vorauslaeuft hinterher. Rechts, links, aeh nee, doch rechts und jetzt noch ein kleines Stückchen nach vorne 3-2-1 Äquator! Aber wo ist das Denkmal? 240 Meter weiter rechts und lauter Idioten machen Fotos dort, nur wir, wir stehen am ECHTEN Äquator!

Zurück in Quito planen wir unsere weitere Reise. Das Interesse an uns lässt allmählich nach, wir haben immer weniger Besucher auf der Homepage und bis auf den Herr Spam schreibt uns kaum noch jemand Emails. Also tun wir das, was aus der Mode gekommene Celebrities halt so machen. Genau – ab ins Dschungelcamp! Für 4 Tage verlassen wir die Zivilisation und fahren ins Cuyabeno Reserve, ein Stück extrem gefährdeter Regenwald. Vor ein paar Jahren wurde hier jede Menge Öl gefunden und der Präsident von Ecuador schlug vor, dass zur Erhaltung des Regenwaldes (=keine Ölförderung) Staaten denen an Umweltschutz gelegen ist (so zum Beispiel Deutschland) die „Ausfälle“ der ecuadorianischen Ölfirmen zahlen könnten. Soweit wir wissen sind die Verhandlungen dazu noch nicht abgeschlossen, aber durch die Gelder des wachsenden Tourismus haben die Indigos neue, nachhaltige Einnahmequellen gefunden. Dadurch haben es die Ölfirmen schwerer in das Gebiet zu gelangen und weiter nach Öl zu suchen. So haben wir zum ersten Mal kein schlechtes Gewissen Teil des Tourismus zu sein, der ja häufig eher ausbeutend und zerstörend als fördernd ist.

Wir übernachten in der Jamu-Lodge, mitten im Dschungel, kein Strom, kein Telefon und erreichbar in 3 Std. nur per Boot. Als Haustiere gibt es riesige Geckos und neuerdings auch eine schöne, haarige Tarantel, an der wir jeden Tag mehrmals eher vorbei rennen als gehen. Besonders gruselig ist es aber eher, wenn sie mal nicht zu sehen ist! Wir gehen schwimmen, in einem Gewässer, in dem wir am Tag zuvor noch einer Anakonda beim Fisch fangen zugesehen haben und angeln nach Piranhas, in dem gleichen Gewässer, in dem wir vorher noch gebadet haben. Nach all diesen Erlebnissen können wir es dann allerdings überhaupt nicht verstehen, weshalb die Australierin in unserer Gruppe Bedenken hat den Hausaffen im Indigo-Dorf anzufassen, damit keine Bakterien überspringen. Warum auch? Nicht weit wohnt der Schamane, der Kranke aus aller Welt behandelt. Wir sehen viele verschieden Affenarten, Faultiere, Tukane, Flussdelfine, Papageien, Schlangen, Spinnen in diversen Größen, Wasservögel...und das alles in freier Wildbahn. Nach 4 Tagen werden wir mit dem Boot zurück in die Zivilisation nach Lago Agrio gebracht. Wir genießen die Bootsfahrt, schwelgen in Erinnerungen an das gerade erlebte und Denken an nichts Böses, als plötzlich eine große, haarige Spinne über Stepan's Fuß krabbelt.

Ob er DAS überlebt hat oder nicht, das erfahrt ihr dann im nächsten Bericht!


P.S.: Sylvia A. aus B.: bitte Bild 7 überspringen!!! Nadine A. aus E.: bitte Bilder 6, 22 und 29 überspringen!!!


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