Aus mehreren Gruenden fahren wir von Xining aus nicht mehr gen Osten sondern drehen jetzt nach Sueden ab:
1. Wir haben Angst zu nahe in Richtung unserer alten Heimat Shanghai zu kommen
2. Wir sind es leid immer nur von rechts braun gebrannt zu sein
3. Wir hoffen, dass durch einen Richtungswechsel endlich der staendige Gegenwind aufhoert
4. Irgendwann wollen wir dann doch mal aus China raus und oestlich kommt bekanntlich dann nur noch Wasser
5. Wir hoffen auf besseres Wetter
6. Weg vom Hammel

Wir folgen den Tips von anderen Radfahren, verlassen kurz nach Xining die “Hauptstrasse” und biegen suedlich in die Berge auf kleinere Strassen ab. Zwar ist es hier ziemlich bergig und wir muessen ueber einige Paesse aber die Muehe lohnt sich. Denn wir sind uns einig, dass die Strecke das bisher Schoenste ist, was wir auf der Tour gefahren sind. Es geht durch enge Schluchten, felsige Landschaften und Grasslands nach Xiahe wo sich das bekannte Labrang-Kloster (das groesste ausserhalb Tibets) befindet. Auf den ersten 200km befinden sich hauptsaechlich Doerfer der muslimischen Hui und es gibt jede Menge Moscheen sowie Muezzin-Gesaenge. Danach veraendern sich die Doerfer und werden immer tibetischer, bis wir eigentlich nur noch durch rein tibetische Doerfer kommen. Die Freundlichkeit der Menschen haut uns von den Socken, wir werden freundlich begruesst und mit einem offenen Lachen angestrahlt, dass uns die Herzen aufgehen. Wir werden auch immer wieder auf “Tsampa” eingeladen, ein aus geroesteter Gerste hergestelltes Pulver, welches das Hauptnahrungsmittel der Tibeter darstellt. Es wird entweder als Tee mit Wasser und Yakbutter getrunken oder noch zusaetzlich mit Zucker und Yakkaese zu einer dicken Masse verknetet, welche dann zu kleinen Huetchen geformt werden. Gefuellt mit Yak-Yoghurt isst man sie dann als kleine “Snacks”. Leider sprechen die meisten der Tibeter noch schlechter chinesisch als wir, so dass die Unterhaltung meist ueber deren Kindern, die chinesisch in der Schule lernen, uebersetzt werden muss. Trotzdem ist es erstaunlich wie offen die Menschen uns gegenueber ihre Abneigung gegen China zeigen. Das geht sogar so weit, dass sie auf Fotos die chinesische Fahne an unserem Anhaenger weghalten, weil sie die auf gar keinen Fall mit sich auf einem Foto haben wollen. Deutschland hingegen finden sie toll, weil der Dalai Lama und Deutschland so gute Beziehungen haben.
Wir treffen in Xiahe sowieso, aber auch danach auf tausende von Moenchen. Was zu Beginn noch eine faszinierende Erscheinung ist, ist ploetzlich Alltag. Viele der Moenche sind extrem offen und leben nicht nur im Kloster sondern besitzen auch Guesthouses oder Geschaefte. Manche “pilgern” sogar mit dem Fahrrad ueber die Berge in andere Kloester. Zwar mit den billigsten, klapprigsten und kleinsten Raedern die einen erwachsenen Moench tragen koennen, aber mit Stolz und Ehre und irgendwie werden sie hoffentlich auch dort ankommen.
Einige Tage spaeter kommen wir in Langmusi an, ein kleiner verschlafener Touriort mit kleinen Hotels, Restaurants und wunderschoenen Bergen aussenrum. Wir lassen zum ersten Mal die Raeder stehen und gehen wandern. Eine schoene Abwechslung, so dass wir ueberlegen vielleicht noch einen Tag zu bleiben. Diese Entscheidung wird uns aber abgenommen…

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